Krautsuppe, tiefgefroren

November ’20 |Termine folgen …
Von Vladimir Sorokin ++ Auf Deutsch ++

Während die grüne Bande vor einigen Jahren noch Parolen über die Ozonschicht, Wale und Pelztiere deklamierte, hat sie im Jahre 2040 die Führung im Vereinigten Eurasien gänzlich übernommen. Die Bande regiert nach ökologisch reinen Prinzipien: Statt zwei Müllcontainern findet man nun zehn, Tierhaltung ist illegal und Produktion und Vertrieb von ökologisch schädlicher Nahrung werden strikt sanktioniert.

Unter dem Radar der fanatischen Überwachung entsteht eine von Köchen organisierte Untergrundbewegung. Dort handeln Verbrecherorganisationen mit seltenen Rezepten und Zutaten. Borschtsch à la Moskau, Koch mit Amtsgewalt, wird wegen Zubereitung von ökologisch schädlichen Speisen zum wiederholten Male in ein Sonderstraflager geschickt. Ihm gelingt die Flucht und er macht sich auf den Weg, einen riskanten Auftrag zu erfüllen. Der Koch macht sich mit seiner Beischläferin Larissa auf die Suche nach der Pastuchovschen Kollektion: Eine gefrorene Krautsuppe von unschätzbarem Wert, die ein Meisterkoch in 30 Rezeptvariationen für die Nachwelt kreiert hat.

In seiner Satire „Krautsuppe, tiefgefroren“ (im Original „Щи“ – Schtschi) schafft Vladimir Sorokin eine Anti-Utopie, in der grüne Gutmenschen eine rigorose Ökodiktatur betreiben. So zeigt sich, dass jede Ideologie einen negativen Beigeschmack haben kann. Dabei sind durchaus Konflikte des gegenwärtigen Russlands erkennbar, die sich zwischen verbrecherischen Unordnungen, Verwestlichung und dem Rückbesinnen auf eine russische Identität bewegen. Dabei stellt sich die universelle Frage nach der Position des Menschen im Weltgeschehen, denn:

„Der Mensch ist am Arsch. Der Mensch ist nicht länger das Maß aller Dinge. Wir sind nicht länger die Herren auf unserem Planeten. Schöne Herren dieses Planeten sind wir, wenn sie einem für die Tötung eines Huhns vier Jahre verpassen.”