Spielzeit 2021/22

Trotz der Realität

 
nonoise und ArtEast
Heiner Müller “Quartett”/ Konzertante Aufführung

Premiere: 6. Mai 2022
Weitere Aufführungen: 7., 8., 13., 14. und 15. Mai 2022
Ort: Johanniskapelle, Oberer Stephansberg 7a, Bamberg

Mit der Produktion von Heiner Müllers „Quartett“ stellt das Projekt nonoise in Zusammenarbeit mit dem ArtEast Theater die Frage nach dem amoralischen Spiel von Lust, Macht und deren Missbrauch bis hin zur Zerstörung des Anderen für unsere Zeit ganz neu. In einer konzertanten Aufführung dieser Vertonung von Müllers häufig gespielten Stück durch Jochen Neurath erklingen die Dialoge einer toxischen Beziehung als szenische Kammermusik, in der die Kämpfe der Figuren ganz aus der Sprache und mit den Möglichkeiten der Stimme ausgetragen werden. So wird die Handlung ganz in die Imagination der Zuschauer verlegt.

Mann und Frau, Verführung und Begehren: bei nonoise ist das kein Krieg der Welten, sondern ein unmenschlicher Kampf ums Überleben in einer von Krieg umgebenen Welt. Eine Welt, in der es Hoffnung nur noch im Bunker gibt, diese Hoffnung aber an der kommunikativen Brutalität der hoffnungslos Verlorenen langsam und grausam scheitert. Wie wollen wir leben, wie reden wir miteinander? Diese Fragen stellt diese Aufführung eindringlich.

Die Premiere ist am 6. Mai. Weitere Aufführungen am 7. und 8. Mai sowie am 13., 14. und 15. Mai. Gespielt wird das Stück in der Johanniskapelle am Oberen Stephansberg 7a. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet € 14,- (erm. € 8,-). Karten gibt es im Vorverkauf in den Buchläden Collibri und Herr Heilmann.

Komposition und musikalische Leitung: Jochen Neurath
Mit: Danielle Cîmpean, Eugeniya Ershova, Alexandra Kaganowska, Cornelia Morgenroth

Termine: 6., 7., 8., 13., 14. und 15. Mai 2022
Spielort: Johanniskapelle, Oberer Stephansberg 7a
Beginn: 19.30 Uhr
Karten: € 14,- / ermäßigt € 8,-
Vorverkauf: Collibri, Austr. 12, Bamberg Herr Heilmann – Gute Bücher, Katzenberg 6


“Der Mann aus Podolsk” von Dmitry Danilov

Premiere: 30. Juni 2022
Weitere Aufführungen: 01., 02., 08., 09. Juli 2022

Spielort: JuZ Bamberg / Margaretendamm 12a
Einlass: 19:30 Uhr / Beginn: 20 Uhr
Karten: 14 EUR / ermäßigt 8 EUR
Vorverkauf: Buchhandlung Collibri, Austraße 12 ++ Vorverkauf läuft ++
++ in deutscher Sprache ++

Wie Kafka am Stadtrand

Es liegt ein Grauschleier über Podolsk, den Mütterchen Russland noch nicht weggewaschen hat. Das will Vater Staat nun nachholen. So wird Nikolai, der titelgebende Mann aus Podolsk, eines Tages, ohne dass er etwas Böses getan hätte, beim Spazierengehen verhaftet. Was er getan oder nicht getan hat, das soll der junge Mann in einem therapeutischen Verhör mit der Polizei selbst herausfinden. Aber kann man jemanden zu seinem Glück zwingen? Und wer legt eigentlich fest, wann ein Mensch glücklich ist? Mit dem „Mann aus Podolsk“ leuchtet der russische Autor Dmitry Danilov die graue Perspektivlosigkeit in der russischen Provinz aus, der mit Oppression von Vater Staat und Fürsorge von Mütterchen Russland Abhilfe geschaffen werden soll.

In der Inszenierung von Kristina Kroll und Michelle Wiederkehr wird das Stück zu einem satirischen Kammerspiel unter verkehrten Vorzeichen, das immer dann die nächste Wendung nimmt, wenn man glaubt, die Gleichung gelöst zu haben. „Wer den Zusammenbruch der Sowjetunion nicht bedauert, hat kein Herz“, sagte der ehemalige Leiter des russischen Inlandsgeheimdienstes und heutige Diktator Wladimir Putin einmal: „Wer will, dass sie identisch wiederhergestellt wird, hat keinen Verstand.“ Wer wie viel Herz und Verstand hat, das verhandeln die Polizei und der Mann aus Podolsk. Das Urteil müssen die Zuschauer fällen.

ES SPIELEN // Eugeniya Ershova, Benjamin Gehrig, Armin Gradl, Christine Renker
REGIE // Kristina Kroll, Michelle Wiederkehr

Musik: Venderstrooik – Children of Dracula

“Der Drache” von Jewgeni Schwarz

++ in deutscher Sprache ++ Termine folgen ++

“Wenn dus warm und weich hast, tust du am klügsten,
wenn du vor dich hindöst und schweigst
 und nicht über die unangenehme Zukunft nachgrübelst.”
(Der Kater, aus Der Drache von Jewgeni Schwarz)

Das Volk begehrt, das Volk wünscht und das Volk pocht auf seine eigene Meinung. So finden wir uns im Jahre 2021 wieder. Im vermeintlich vereinten Europa finden sich an jeder Ecke autokratische Verhältnisse. Totalitäre Demokratien und autoritäre Regime werden zum Hit. Belarus, Ungarn, Russland, um nur mal die eurozentrische Perspektive abzudecken.

Es brodelt, das Volk ist unzufrieden, es schweigt nicht mehr. Dabei ist so ein mächtiger Drache, der das Volk schützt, sich gnädig mit einer geopferten Jungfrau pro Jahr zufrieden gibt und ansonsten wenig Ansprüche stellt doch wunderbar?

„Es gibt nur eine Möglichkeit, vom Drachen verschont zu bleiben: Man muss einen eigenen Drachen haben“ (Charlesmagne, aus Der Drache von Jewgeni Schwarz)

Entgegen der zeitgenössischen Diktatorenfiguren – mit leicht neurotischen und paranoiden Zügen – lässt es sich der Drache in der Stadt gutgehen. Es ist doch so einfach eine ordentliche Führungsposition anständig zu würdigen und man kann in Frieden leben. Als Gedächtnisstütze liefert wikipedia beispielsweise allein 55 Formen der Anrede von Kim Jong-il zur allgemeinen Verwendung. Jetzt alle einmal zusammen: „Lieber Führer, der eine perfekte Verkörperung des Erscheinungsbildes ist, das ein Führer haben muss“ – zugegebenerweise in der deutschen Übersetzung etwas holprig – dann doch besser: „unbesiegbarer und immertriumphierender General“.

Und nun kommt ein einfältiger, junger Berufsheld Lanzelot dahergelaufen und wagt es, den Drachen herauszufordern? Stell dir vor, du willst einen Drachen töten und das Volk sagt nein. Wohl kaum wird solch ein Jüngling die bestehenden Verhältnisse ins Wanken bringen wollen? Hitler war doch auch ein guter Mann, ihm haben wir schließlich die Autobahn zu verdanken…und Arbeitslose gab es damals auch viel weniger…und übrigens hat er vorzügliche Landschaftsmalerei gefertigt!

REGIE // Eugeniya Ershova, Christine Renker


“L” nach Andrej Salomatow 

++ in deutscher Sprache ++ Termine folgen ++

Willkommen in der fantastisch-alltäglichen, apokalyptisch-surrealen Welt.

Könnte sein, dass der Evangelist Johannes „übertrieben hatte… Tatsächlich war der Weltuntergang steril wie ein abgekochtes Skalpell und genauso real, …ohne eindrucksvolle Reiter und ein monströses Tier“. (A. Salomatow, „G“)

Johannes L, der Held des Stücks, wacht auf und stellt fest, dass seine Umwelt sich verwandelt hat: Unter dem grünen Himmel fahren Panzerkolonnen, die Uhren sind stehengeblieben, aus dem ausgesteckten Radio schreit eine seltsame Stimme Lieder. Draußen bedeckt sich nach und nach alles mit weichem blauem Schimmel. Die Menschen sind auch nicht mehr die Alten. Gemeinsam mit seinem Nachbarn geht er auf die Straße, um herauszufinden, was los ist.

Auch in seinen Träumen findet sich Johannes in ungewöhnlichen Welten wieder: Er trifft auf den furchterregenden, personalisierten „Progress“ und wird Zeuge einer von Luzifer begleiteten Bücherverbrennung. Später findet er sich in der Psychiatrie wieder, möchte sich aber mit dieser Realität nicht abfinden.

Er flieht immer wieder in andere Welten, deren Grenzen immer unschärfer werden. Am Ende wird er vor die Wahl gestellt: Entweder kehrt er in die reale Welt zurück oder er bleibt in der apokalyptischen Traumwelt. Will er zurück ins Hamsterrad oder den Sprung ins ungewisse Blaue wagen?

Diese phantastische Novelle von Andrej Salomatow erschien 1998 unter dem Originaltitel „G“.

Sie ist ein Spiel mit und zwischen der Realität, den Träumen und deren Untergang. Ein Versuch, der Beschränktheit zu entfliehen. Durch die Apokalypse.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors haben wir das Stück aus dem Russischen übersetzt und zu einer Bühnenfassung unter dem Titel „L“ umgearbeitet.

ES SPIELEN // Philipp Demling, Benjamin Gehrig, Armin Gradl, Kristina Kroll, Michelle Wiederkehr

REGIE // Iuliia Senkovska
MUSIK // Lachpillenonkel