Spielzeit 2022/23

“Der Drache” nach Jewgeni Schwarz

Premiere: 24. November 2022
Weitere Aufführungen: 25.11., 26.11., 01.12., 02.12., 03.12.2022
Spielort: Palais Schrottenberg / Kasernstr. 1

Einlass: 19:00 / Beginn: 19:30 Uhr
Karten: 14 EUR / ermäßigt 8 EUR
VVK: Buchhandlung Collibri, Austraße 12
++auf Deutsch ++

“Wo dus warm und weich hast, tust du am klügsten,
wenn du vor dich hindöst und schweigst
und nicht nachdenkst über die unangenehme Zukunft.”

(Der Kater, aus Der Drache von Jewgeni Schwarz)

2022: im vermeintlich vereinten Europa finden sich an jeder Ecke autokratische Verhältnisse. Totalitäre Demokratien und autoritäre Regime werden zum Hit. Belarus, Ungarn, Russland, um nur mal die eurozentrische Perspektive abzudecken.

„Es gibt nur eine Möglichkeit, vom Drachen verschont zu bleiben:
Man muss einen eigenen Drachen haben“

(Charlemagne, aus Der Drache von Jewgeni Schwarz)

Der titelgebende Drache herrscht über eine Stadt und die Bürger:innen haben sich damit abgefunden. Zumindest bis Lanzelot – von Beruf Held – auftaucht und die Stadt vom Tyrannen befreien will. Aber wollen die Bürger:innen überhaupt ihr biedermeierliches Leben für die Abenteuerlust eines dahergekommenen Helden aufgeben? Dabei ist so ein mächtiger Drache, der das Volk schützt, sich gnädig mit einer geopferten Jungfrau pro Jahr zufriedengibt und ansonsten wenig Ansprüche stellt, doch wunderbar?

Entgegen den zeitgenössischen Diktatorenfiguren – mit neurotischen und paranoiden Zügen – lässt es sich der Drache in der Stadt gutgehen. Es ist doch so einfach eine ordentliche Führungsposition anständig zu würdigen und man kann in Frieden leben.

Als Jewgeni Schwarz seinen Drachen 1943 unter dem Eindruck der Leningrader Blockade schrieb, erkannte man darin vor allem eine Parabel über Tyrannei und Duckmäusertum. Fast achtzig Jahre später möchte man glauben, die politischen Verhältnisse in der Welt haben sich geändert, aber die Parabel hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. In diesem Geist inszenieren die beiden Regisseurinnen Christine Renker und Eugeniya Ershova das Märchen aus heutiger Sicht und wagen damit einen bitterbösen wie ironischen Blick auf die gesellschaftliche Gegenwart und die Drachen unserer Zeit.

ES SPIELEN // Nadine Buschmann, Benjamin Gehrig, Alexandra Kaganowska, Franz Kellermann, Kristina Kroll, Cornelia Morgenroth

REGIE // Eugeniya Ershova, Christine Renker
REGIEASSISTENZ // Niklas Knüpling
DRAMATURGIE // Niklas Schmitt


“L” nach Andrej Salomatow 

++ in deutscher Sprache ++ Termine folgen ++

Willkommen in der fantastisch-alltäglichen, apokalyptisch-surrealen Welt.

Könnte sein, dass der Evangelist Johannes „übertrieben hatte… Tatsächlich war der Weltuntergang steril wie ein abgekochtes Skalpell und genauso real, …ohne eindrucksvolle Reiter und ein monströses Tier“. (A. Salomatow, „G“)

Johannes L, der Held des Stücks, wacht auf und stellt fest, dass seine Umwelt sich verwandelt hat: Unter dem grünen Himmel fahren Panzerkolonnen, die Uhren sind stehengeblieben, aus dem ausgesteckten Radio schreit eine seltsame Stimme Lieder. Draußen bedeckt sich nach und nach alles mit weichem blauem Schimmel. Die Menschen sind auch nicht mehr die Alten. Gemeinsam mit seinem Nachbarn geht er auf die Straße, um herauszufinden, was los ist.

Auch in seinen Träumen findet sich Johannes in ungewöhnlichen Welten wieder: Er trifft auf den furchterregenden, personalisierten „Progress“ und wird Zeuge einer von Luzifer begleiteten Bücherverbrennung. Später findet er sich in der Psychiatrie wieder, möchte sich aber mit dieser Realität nicht abfinden.

Er flieht immer wieder in andere Welten, deren Grenzen immer unschärfer werden. Am Ende wird er vor die Wahl gestellt: Entweder kehrt er in die reale Welt zurück oder er bleibt in der apokalyptischen Traumwelt. Will er zurück ins Hamsterrad oder den Sprung ins ungewisse Blaue wagen?

Diese phantastische Novelle von Andrej Salomatow erschien 1998 unter dem Originaltitel „G“.

Sie ist ein Spiel mit und zwischen der Realität, den Träumen und deren Untergang. Ein Versuch, der Beschränktheit zu entfliehen. Durch die Apokalypse.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors haben wir das Stück aus dem Russischen übersetzt und zu einer Bühnenfassung unter dem Titel „L“ umgearbeitet.

ES SPIELEN // Philipp Demling, Benjamin Gehrig, Armin Gradl, Kristina Kroll, Michelle Wiederkehr

REGIE // Iuliia Senkovska
MUSIK // Lachpillenonkel