Spielzeit 2021/22

Trotz der Realität


Spätherbst 2021: “L” nach Andrej Salomatow -> ABGESAGT!

Liebes Publikum, aufgrund der aktuellen Lage müssen wir unsere nächsten Vorstellungen von “L” nach Andrej Salomatow leider absagen. Eure Tickets könnt Ihr gerne auf neue Termine übertragen (bitte um kurze E-Mail an arteast.bamberg(at)gmail.com) oder in Collibri Buchhandlung abgeben.

Danke für Euer Verständnis. Wir freuen uns, Euch bald wiederzusehen!

++ in deutscher Sprache ++
Premiere: 26.11.2021
Weitere Vorstellungen: 27.11. / 28.11. / 3.12. / 4.12 / 5.12.2021
Spielort: CON Bamberg / Jäckstr. 35

Einlass: 19:30 Uhr / Beginn: 20 Uhr
Karten: 14 EUR / ermäßigt 8 EUR
Vorverkauf: Buchhandlung Collibri, Austraße 12

Willkommen in der fantastisch-alltäglichen, apokalyptisch-surrealen Welt.

Könnte sein, dass der Evangelist Johannes „übertrieben hatte… Tatsächlich war der Weltuntergang steril wie ein abgekochtes Skalpell und genauso real, …ohne eindrucksvolle Reiter und ein monströses Tier“. (A. Salomatow, „G“)

Johannes L, der Held des Stücks, wacht auf und stellt fest, dass seine Umwelt sich verwandelt hat: Unter dem grünen Himmel fahren Panzerkolonnen, die Uhren sind stehengeblieben, aus dem ausgesteckten Radio schreit eine seltsame Stimme Lieder. Draußen bedeckt sich nach und nach alles mit weichem blauem Schimmel. Die Menschen sind auch nicht mehr die Alten. Gemeinsam mit seinem Nachbarn geht er auf die Straße, um herauszufinden, was los ist.

Auch in seinen Träumen findet sich Johannes in ungewöhnlichen Welten wieder: Er trifft auf den furchterregenden, personalisierten „Progress“ und wird Zeuge einer von Luzifer begleiteten Bücherverbrennung. Später findet er sich in der Psychiatrie wieder, möchte sich aber mit dieser Realität nicht abfinden.

Er flieht immer wieder in andere Welten, deren Grenzen immer unschärfer werden. Am Ende wird er vor die Wahl gestellt: Entweder kehrt er in die reale Welt zurück oder er bleibt in der apokalyptischen Traumwelt. Will er zurück ins Hamsterrad oder den Sprung ins ungewisse Blaue wagen?

Diese phantastische Novelle von Andrej Salomatow erschien 1998 unter dem Originaltitel „G“.

Sie ist ein Spiel mit und zwischen der Realität, den Träumen und deren Untergang. Ein Versuch, der Beschränktheit zu entfliehen. Durch die Apokalypse.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors haben wir das Stück aus dem Russischen übersetzt und zu einer Bühnenfassung unter dem Titel „L“ umgearbeitet.

Kamera/Schnitt: Katarina Vikulova | Musik: “Hey, Pippi Langstrumpf” | Remix: Peter Florian Berndt

ES SPIELEN // Philipp Demling, Benjamin Gehrig, Armin Gradl, Kristina Kroll, Michelle Wiederkehr

REGIE // Iuliia Senkovska
MUSIK // Lachpillenonkel

++ Bitte informieren Sie sich genau über die aktuell geltenden Zugangsregeln für Veranstaltungen (2G/3G/3G+): https://www.bayern.de/coronavirus-in-bayern…/
Kurz vor der Premiere werden wir hier bekanntgeben, welche Zugangsregel für unsere Aufführungen gilt.
++


Frühjahr 2022: “Der Mann aus Podolsk” von Dmitry Danilov

++ in deutscher Sprache ++ Termine folgen ++

„Die Persönlichkeit eines jeden Menschen, selbst eines so simplen wie du, ist doch bei weitem mehr als nur ein Pass. Wir müssen verstehen, wen wir hier vor uns haben, wie er lebt, wovon er träumt! Seine intimsten Gedanken! Wir müssen alles über ihn herausfinden, und nicht nur seinen Namen und die Meldeadresse.“

Ein gewöhnliches Polizeirevier – ein gewöhnlicher Mann – ein ungewöhnliches Verhör.

Nikolai findet sich auf einer Polizeiwache in Moskau wieder. Den Grund dafür scheinen weder er noch die diensthabenden Polizisten zu kennen, wollen ihn aber im Laufe des Verhörs ermitteln. Dabei kippt die anfangs gewöhnliche Vernehmung zunächst ins komödiantische und später ins kafkaesk Absurde. Aus dem Verhör entwickelt sich eine Art Therapiesitzung, in der Sehnsuchtsorte, Lebenswelten und die Identitäts- und Sinnsuche in den Mittelpunkt rücken. 

Schnell stellt sich heraus, dass Nikolai ein sehr eintöniges Leben führt. Seinen Wohnort Podolsk beschreibt er als trist, grau und industriell. Die fehlende Leidenschaft für alles in seinem Leben macht sich in seiner mechanischen Existenz bemerkbar. In einem zermürbenden Frage – Antwort Spiel versuchen die Beamten dem schlichten Mann aus Podolsk seinem Leben mehr Substanz zu geben: 

„ein großer Denker sind Sie nicht, Nikolai Stepanowitsch…. Sie sind denkfaul, unsensibel, langsam… das ist nicht gut, wir werden Ihnen helfen, werden Sie weiterbilden.“ „Der Mann aus Podolsk“ (im Original Čelovek iz Podolska) ist das erste und gleichzeitig sehr erfolgreiche in Russland aufgeführte Theaterstück von Dmitri Alexejewitsch Danilov.

ES SPIELEN // Eugeniya Ershova, Armin Gradl, Christine Renker, Iuliia Senkovska

REGIE // Kristina Kroll, Michelle Wiederkehr


nonoise und ArtEast
April 2022: Heiner Müller “Quartett”/ Konzertante Aufführung

„Zeitraum: Salon vor der Französischen Revolution / Bunker nach dem dritten Weltkrieg“: so lautet die einzige Bühnenanweisung in Heiner Müllers „Quartett“.

1981, der Verfall der DDR wird immer deutlicher, schreibt Müller dieses Stück nach Choderlos de Laclos’ Skandalroman „Gefährliche Liebschaften“ von 1782, der Verfall des Absolutismus zeichnet sich schon klar ab.

Das Verfaulen von Gesellschaftssystemen, das im Menschen nur das Allerschlechteste hervorruft, wird von Müller als zynisches und grausames Spiel über die Jahrhunderte wiederholt.

Wir verlegen Zeit und Ort gleich ganz in die Imagination des Zuschauers, und entwickeln das raubtierhafte Zerfleischen der Figuren nur aus der Sprache und den Möglichkeiten der Stimme heraus.

ES SPIELEN // Danielle Cîmpean, Eugeniya Ershova, Alexandra Kaganowska, Susanne Maack

KÜNSTLERISCHE LEITUNG // Jochen Neurath


Sommer 2022: “Der Drache” von Jewgeni Schwarz

++ in deutscher Sprache ++ Termine folgen ++

“Wenn dus warm und weich hast, tust du am klügsten,
wenn du vor dich hindöst und schweigst
 und nicht über die unangenehme Zukunft nachgrübelst.”
(Der Kater, aus Der Drache von Jewgeni Schwarz)

Das Volk begehrt, das Volk wünscht und das Volk pocht auf seine eigene Meinung. So finden wir uns im Jahre 2021 wieder. Im vermeintlich vereinten Europa finden sich an jeder Ecke autokratische Verhältnisse. Totalitäre Demokratien und autoritäre Regime werden zum Hit. Belarus, Ungarn, Russland, um nur mal die eurozentrische Perspektive abzudecken.

Es brodelt, das Volk ist unzufrieden, es schweigt nicht mehr. Dabei ist so ein mächtiger Drache, der das Volk schützt, sich gnädig mit einer geopferten Jungfrau pro Jahr zufrieden gibt und ansonsten wenig Ansprüche stellt doch wunderbar?

„Es gibt nur eine Möglichkeit, vom Drachen verschont zu bleiben: Man muss einen eigenen Drachen haben“ (Charlesmagne, aus Der Drache von Jewgeni Schwarz)

Entgegen der zeitgenössischen Diktatorenfiguren – mit leicht neurotischen und paranoiden Zügen – lässt es sich der Drache in der Stadt gutgehen. Es ist doch so einfach eine ordentliche Führungsposition anständig zu würdigen und man kann in Frieden leben. Als Gedächtnisstütze liefert wikipedia beispielsweise allein 55 Formen der Anrede von Kim Jong-il zur allgemeinen Verwendung. Jetzt alle einmal zusammen: „Lieber Führer, der eine perfekte Verkörperung des Erscheinungsbildes ist, das ein Führer haben muss“ – zugegebenerweise in der deutschen Übersetzung etwas holprig – dann doch besser: „unbesiegbarer und immertriumphierender General“.

Und nun kommt ein einfältiger, junger Berufsheld Lanzelot dahergelaufen und wagt es, den Drachen herauszufordern? Stell dir vor, du willst einen Drachen töten und das Volk sagt nein. Wohl kaum wird solch ein Jüngling die bestehenden Verhältnisse ins Wanken bringen wollen? Hitler war doch auch ein guter Mann, ihm haben wir schließlich die Autobahn zu verdanken…und Arbeitslose gab es damals auch viel weniger…und übrigens hat er vorzügliche Landschaftsmalerei gefertigt!

REGIE // Eugeniya Ershova, Christine Renker