Spielzeit 2019/20

12. & 19. Oktober ‘19: Wer spielt denn heute? | SalonVinaigrette| Balthasar Bamberg

Ist die Bamberger Theaterlandschaft nicht ein einziger großer bunter Salat? ETA, TiG, TaM, EGON und wie sie nicht alle heißen. Da braucht es schon professionelle Hilfe, um sich darin zurechtzufinden. Das ArtEast-Theater hat für die zweite Ausgabe ihres SalonVinaigrette eine spannungsreiche Mixtur zusammengestellt. Die Zutaten werden natürlich noch nicht verraten, nur, dass es wieder ein großer Spaß werden wird.

++ Eintritt frei ++ 
12. & 19.10.2019 | Beginn: 19 Uhr | Einlass: 18:30 Uhr
Balthasar | Balthasargässchen 1, Bamberg


30.01., 31.01., 01.02., 07.02.2020: Dostojevskij-Trip von Vladimir Sorokin | CON Bamberg

++ Auf Deutsch ++

Höllentrip oder Trip des Lebens – das wissen die Sieben nicht. Der Dealer bringt neuen Stoff. Dostojevskij ist der neuste Shit. Kommt gleich nach Kafka und Joyce. Aber die gibt’s mittlerweile eh an jeder Straßenecke. Die Unsicherheit wächst. Kontrolle aufgeben, ohne Tripsitter hinein ins Abenteuer? Die Sieben stimmen zu und schmeißen ein.
Im psychedelischen Rausch landen die Teilnehmer in Dostojevskijs „Der Idiot“. Die Droge wirkt gut, noch. Doch zu schnell kommt der Höhenflug, der Rausch eskaliert und aus der feinen Gesellschaft wird die Höllenbrut. Samenerguss und Brandstiftung statt Champagnergenuss und Hofdichtung. Die Gruppendynamik, die der Trip verschafft, ist der Nährstoff, den die Gruppe sich so sehr erhofft hat. Alle lechzen nach den tiefsten, innersten Geheimnissen des Nächsten, fühlen sich so verbunden und sind sich doch so fern. Wie die Droge isoliert die Literatur, wähnt die Leser in Sicherheit und lässt sie doch in jedem Moment fallen. Identifiziert man sich mit den Helden oder Antihelden, müssen sie sterben, hat man eine Metaebene erreicht, fällt das Werk in Triviales ab. Wie sich das anfühlen kann, bringt das ArtEast Theater in dieser Spielzeit mit dem postmodernen Stück von Vladimir Sorokin den Zuschauern nahe.

Die Literatur ist die Droge. Das Ensemble vertickt und das Publikum bekommt den Gruppentrip, wie bestellt.

In der Inszenierung von Eugeniya Ershova und Christine Renker hecheln die DarstellerInnen nach ihrem langersehnten Stoff, steigern sich in Ekstase, erleben dann den tiefen Fall und wo sie am Ende ankommen, weiß niemand.

Es spielen: Anas Attar, Armin Gradl, Alexandra Kaganowska, Katarina Vikulova, Stanley Kochem, Kristina Kroll

Musik: Lachpillenonkel


Herbst ’20: Krautsuppe, tiefgefroren von Vladimir Sorokin

Termine folgen …
++ Auf Deutsch ++

Während die grüne Bande vor einigen Jahren noch Parolen über die Ozonschicht, Wale und Pelztiere deklamierte, hat sie im Jahre 2040 die Führung im Vereinigten Eurasien gänzlich übernommen. Die Bande regiert nach ökologisch reinen Prinzipien: Statt zwei Müllcontainern findet man nun zehn, Tierhaltung ist illegal und Produktion und Vertrieb von ökologisch schädlicher Nahrung werden strikt sanktioniert.

Unter dem Radar der fanatischen Überwachung entsteht eine von Köchen organisierte Untergrundbewegung.  Dort handeln Verbrecherorganisationen mit seltenen Rezepten und Zutaten.  Borschtsch à la Moskau, Koch mit Amtsgewalt, wird wegen Zubereitung von ökologisch schädlichen Speisen zum wiederholten Male in ein Sonderstraflager geschickt. Ihm gelingt die Flucht und er macht sich auf den Weg, einen riskanten Auftrag zu erfüllen. Der Koch macht sich mit seiner Beischläferin Larissa auf die Suche nach der Pastuchovschen Kollektion: Eine gefrorene Krautsuppe von unschätzbarem Wert, die ein Meisterkoch in 30 Rezeptvariationen für die Nachwelt kreiert hat.

In seiner Satire „Krautsuppe, tiefgefroren“ (im Original „Щи“ – Schtschi) schafft Vladimir Sorokin eine Anti-Utopie, in der grüne Gutmenschen eine rigorose Ökodiktatur betreiben. So zeigt sich, dass jede Ideologie einen negativen Beigeschmack haben kann. Dabei sind durchaus Konflikte des gegenwärtigen Russlands erkennbar, die sich zwischen verbrecherischen Unordnungen, Verwestlichung und dem Rückbesinnen auf eine russische Identität bewegen. Dabei stellt sich die universelle Frage nach der Position des Menschen im Weltgeschehen, denn:

„Der Mensch ist am Arsch. Der Mensch ist nicht länger das Maß aller Dinge. Wir sind nicht länger die Herren auf unserem Planeten. Schöne Herren dieses Planeten sind wir, wenn sie einem für die Tötung eines Huhns vier Jahre verpassen.”


2020/21: G nach Andrej Salomatow

Termine folgen …
++ Auf Deutsch ++

Willkommen in der fantastisch-alltäglichen, apokalyptisch-surrealen Welt.

Könnte sein, dass Johannes „übertrieben hatte… Tatsächlich war der Weltuntergang steril wie ein abgekochtes Skalpell und genauso real,..ohne eindrucksvolle Reiter und ein monströses Tier“. (A. Salomatov,  „G“)

Igor wacht eines Morgens in seiner Wohnung auf und stellt fest, dass seine Umwelt sich verwandelt hat: Unter dem grünen Himmel fahren Panzerkolonnen, die Uhren sind stehengeblieben, aus dem ausgesteckten Radio schreit eine seltsame Stimme Lieder. Draußen bedeckt sich nach und nach alles mit weichem blauem Schimmel. Die Menschen sind auch nicht mehr die Alten. Gemeinsam mit seinem Nachbarn geht er auf die Straße, um herauszufinden, was los ist.

Auch in seinen Träumen findet sich Igor in ungewöhnlichen Welten wieder: Er trifft auf den furchterregenden, personalisierten „Progress“ und wird Zeuge eines Autodafé, begleitet von Luzifer. Später findet er sich in der Psychiatrie wieder, möchte sich aber mit dieser Realität nicht abfinden. Er flieht immer wieder in andere Welten, deren Grenzen immer unschärfer werden. Am Ende wird er vor die Wahl gestellt, entweder in die reale Welt zurückzukehren oder in der apokalyptischen Traumwelt zu bleiben. Beide Realitäten bieten ihm keinen guten Ausweg: Die alte Realität bedeutet den Sprung zurück ins Hamsterrad, die neue apokalyptische – den Sprung ins ungewisse Blaue.

Diese phantastische Novelle von Andrej Salomatov erschien 1998 unter dem Originaltitel „G“.

Ein Spiel mit und zwischen der Realität, den Träumen und deren Untergang. Ein Versuch der Beschränktheit zu entfliehen. Durch die Apokalypse.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors haben wir das Stück übersetzt und arbeiten derzeit an einer Bühnenfassung.